Regionale Wirtschaftsgemeinschaften

Ein praktisches Konzept für ein zukunftsfähiges Wirtschaften, das gelebt werden will

Fragen zur Tauschgemeinschaft

Wie funktioniert der Realo?

Muss ich Mitglied der Genossenschaft sein, um ein Tauschkonto zu eröffnen?

Warum wird der Realo nicht als Papiergeld ausgegeben, sondern nur als Buchgeld auf einem Konto geführt?

Habe ich auf meinem Tauschkonto einen Überziehungskredit?

Werden Realos wirklich verliehen werden?

Wenn der Realo als Kreditgeld ausgegeben wird – haben wir dann nicht das gleiche Problem wie die staatlichen Währungen mit ihren riesigen Schuldenbergen?

Könnte man den Realo nicht auch so ausgeben, dass alle Konten immer im Plus geführt werden?

Warum ist die Summe aller Realo-Konten immer 0?

Werden Realos wegen der Umlaufsicherung nicht einfach "verdampfen"?

Warum wird bei der Kontoauflösung das Guthaben nicht ausgezahlt?

Kann man nur Mitglied in der Tauschgemeinschaft werden, wenn man einen PC besitzt?

Wie werden Tauschgeschäfte steuerlich behandelt?

Habe ich bei Tauschgeschäften Garantie?

Kann ich erkennen, ob die Leistung von einem Profi erbracht wird?

Ich habe noch eine andere Frage ...

Wie funktioniert der Realo?

Der Realo wird wie ein Bankkonto geführt. Man kann die Tauscheinheiten per Internet von seinem Konto auf ein anderes überweisen. Der Realo ist durch Beteiligung der Genossenschaft an regionalen Firmen und Projekten gedeckt.

Muss ich Mitglied der Genossenschaft sein, um ein Tauschkonto zu eröffnen?

Nein. Die Genossenschaft stellt die Infrastruktur für die Tauschkonten zur Verfügung. Mit der Eröffnung des Tauschkontos ist man automatisch Mitglied der Tauschgemeinschaft, aber nicht unbedingt Mitglied der Genossenschaft (dafür müsste man Genossenschaftsanteile erwerben).

Bei Genossenschaftsbanken ist das ähnlich: Eröffnet man dort ein Bankkonto, wird man in den Kundenstamm aufgenommen, ist aber nicht automatisch Genossenschaftsmitglied.

Warum wird der Realo nicht als Papiergeld ausgegeben, sondern nur als Buchgeld auf einem Konto geführt?

Man kann den Realo prinzipiell auch als Gutschein (Papiergeld) ausgeben. Der Grund, warum das in diesem Konzept nicht vorgesehen ist, liegt in dem enormen Aufwand, der damit verbunden ist.

  • Die Gutscheine müssen einigermaßen fälschungssicher gedruckt und dann über Ausgabestellen verteilt werden.
  • Für die Umlaufsicherung müsste man jedes Quartal die Scheine mit einer Klebemarke oder einem Stempelaufdruck vesehen.
  • Auf die Verwaltung der Konten kann man trotzdem nicht verzichten, denn auch die Ausgabestelle muss ja wissen, wie viele Realo-Gutscheine sie jemandem aushändigen darf.

Das alles verursacht Kosten und Arbeit, die die Gemeinschaft zusätzlich aufbringen müsste.

Habe ich auf meinem Tauschkonto einen Überziehungskredit?

Für Ihr Tauschkonto können Sie ein Kreditlimit einrichten lassen, wenn Sie mindestens einen voll bezahlten Anteilsschein der Teilhabergemeinschaft für Ihr Konto als Sicherheit hinterlegen.

Werden Realos wirklich verliehen werden?

Werden Kontoinhaber mit substantiellen Habensalden in der Praxis bereit sein, Realos zu verleihen? Da ist zum einen die "niedrige Verzinsung" (es gibt keine, durch das Verleihen meidet man lediglich die Umlaufsicherung), und zum anderen muss es gerade dann ein attraktives, solides Projekt geben, das nach einer Finanzierung sucht, wenn die Person im Plus Realos verleihen will.

Erstens: Wir schlagen eine Umlaufsicherung von 0,5% pro Monat vor, das macht ungefähr 6% pro Jahr – sie längerfristig zu vermeiden ist sicherlich eine Überlegung Wert.

Zweitens: Die meisten Menschen sind es gewohnt, in Geld zu denken anstatt in realen Werten. Das bedeutet, das Besitzen oder Sicherstellen von Geld wichtiger zu nehmen als die Waren, die man damit erwerben möchte. Wir können jedoch Geld nicht essen (Gold auch nicht), daher passt diese Priorität im Denken nicht zur wirklichen Notwendigkeit, für unsere Grundbedürfnisse zu sorgen (Essen, Wasser, Behausung, Heizung, Kleidung, Fürsorge). In der ReWiG kultivieren wir das Erkennen der wirklichen Prioritäten, und die Eigenverantwortung beim Erreichen dieser Ziele. Wenn es keine passenden Projekte für Investitionen gibt, dann tun Sie sich mit ein paar Freunden zusammen und rufen selbst eins ins Leben!

Wenn der Realo als Kreditgeld ausgegeben wird – haben wir dann nicht das gleiche Problem wie die staatlichen Währungen mit ihren riesigen Schuldenbergen?

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Kredit und Schulden, so wie wir sie heute innerhalb des staatlichen Währungssystems verstehen.

Das Wort Kredit kommt vom lateinischen Wort credere. Das bedeutet Vertrauen. Kredit zu bekommen heißt, das Vertrauen der Gemeinschaft zu genießen. Die Gemeinschaft vertraut darauf, dass ich für den in Anspruch genommenen Kredit Leistungen einbringen werde.

Die Schuldenberge der staatlichen Währungssysteme bauen sich deshalb so stark auf, weil das geliehene Geld mit Zins und Zinseszins zurück zu zahlen ist. Aus 100.000 Euro werden innerhalb von 50 Jahren bei 7% Zinsen ca. 3 Millionen Euro. Dieses System mit Zins und Zinseszins weist wie ein Krebsgeschwür ein exponentielles Wachstum auf und muss daher in der Realität zu irgendeinem Zeitpunkt zusammenbrechen.

Da der Realo nicht verzinst wird, kann hier jedoch kein Schuldenberg anwachsen.

Könnte man den Realo nicht auch so ausgeben, dass alle Konten immer im Plus geführt werden?

Komplementärwährungen, die ausschließlich mit Guthabenständen arbeiten, müssen mit einem geschenkten oder irgendwie erarbeiteten Anfangsguthaben starten. Denn wenn am Anfang niemand ein Guthaben besitzt, kann keine einzige Leistung bezahlt werden und damit auch niemand ein Guthaben aufbauen.

Man könnte eine Zentrale einrichten, die das Anfangsguthaben gegen Arbeitsleistungen ausgibt. Damit steuert diese Zentrale die verfügbare Geldmenge und muss dafür sorgen, dass es weder zu viel noch zu wenig Geld gibt. Das ist keine einfache Aufgabe.

Die Summe aller Anfangsguthaben ist dann die Geldmenge, die der Tauschgemeinschaft insgesamt maximal zur Verfügung steht.

Die maximal verfügbare Geldmenge begrenzt die gleichzeitig vergütbaren Leistungen. Ist die Geldmenge zu groß, besteht die Gefahr, dass die Preise für die Leistungen steigen (Inflation). Ist sie zu klein, werden Tauschaktivitäten verhindert und/oder die Preise fallen (Deflation).

In der Tauschgemeinschaft, wie sie hier konzipiert ist, ist die maximal verfügbare Geldmenge davon abhängig, wie viele Anteilsscheine von der Teilhabergemeinschaft ausgegeben wurden. Die Menge der Anteilsscheine wiederum entspricht genau dem Wert der zukunftsfähig bewirtschafteten Sachwerte, also der Wirtschaftsleistung der Teilhabergemeinschaft.

Die tatsächlich genutzte Geldmenge der Tauschgemeinschaft ist so groß wie die Summe aller Realo-Kredite – das ist exakt die gleiche Menge wie die Summe aller Guthaben. Diese Geldmenge kann sich mit jedem Tauschvorgang verändern. Jede(r) Tauschteilnehmer(in) entscheidet also mit über die tatsächlich im Umlauf befindliche Geldmenge. Damit gibt es kein Machtzentrum mehr, das steuernd eingreifen und damit die Realo-Preise manipulieren könnte.

Warum ist die Summe aller Realo-Konten immer 0?

Die maximale Menge an Realos, die in Umlauf sein könnte, steht in einem festen Verhältnis zu den hinterlegten Sicherheiten. Die Menge der hinterlegten Anteilsscheine bestimmt die Höhe der Kreditrahmen der Konten. Nutzt eine Person den Kreditrahmen, um eine Leistung zu begleichen, geht ihr Konto um den gleichen Betrag ins Minus, den der Leistungserbringer als Bezahlung erhält.

Die maximale Menge erhöht sich, wenn Realos gegen Euros gekauft werden. Die gekauften Realos vergrößern den Habenstand auf dem Konto des Käufers und werden auf einem speziell dafür vorgesehenen Systemkonto als Sollposten gegengebucht, so dass die beiden Buchungen zusammen wieder Null ergeben. Die eingenommenen Euros werden dann natürlich für Beteiligungen der Genossenschaft genutzt, so dass auch für diese Realos die Sachwertdeckung gegeben ist.

Die Menge an Realos, die gerade tatsächlich in Umlauf sind, variiert ständig im Verhältnis zur Aktivität der Tauschgemeinschaft. Sie vergrößert und verkleinert sich je nachdem wie stark die Kreditrahmen in Anspruch genommen werden. Die Menge der tatsächlich umlaufenden Realos ist allerdings nach oben begrenzt durch die maximale Realo-Menge (siehe oben).

Zur Klarstellung: Die Umlaufsicherung wird nur auf Kontensalden angewendet. Jemand kann z.B. einen Kreditrahmen von 2.400 Realos haben, aber ein Kontosaldo von 0, und daher wird keine Umlaufsicherung fällig.

Werden Realos wegen der Umlaufsicherung nicht einfach "verdampfen"?

Nein, die als Umlaufsicherung eingezogenen Realos verschwinden nicht aus dem System. Sie landen ebenso wie die Transaktionsgebühren auf einem Konto der Tauschgemeinschaft und werden zur Bezahlung der Menschen genutzt, die das Tauschsystem betreuen. Diese Menschen können ihre so erarbeiteten Realos auch nur innerhalb der Tauschgemeinschaft wieder ausgeben.

Sollte ein Überschuss aus den Gebühren verbleiben, entscheidet die Mitgliederversammlung über dessen Verwendung – z.B. Verteilung an die privaten und / oder gewerblichen Mitglieder, spenden an förderungswürdigen Projekten, Rückstellungen für das nächste Geschäftsjahr usw.

Warum wird bei der Kontoauflösung das Guthaben nicht ausgezahlt?

Der Realo existiert ausschließlich als Buchgeld, das heißt er wird ausschließlich auf einem Konto geführt. Es gibt dafür weder Gutscheine (Papiergeld) noch kann der Realo in Euros konvertiert werden. Daher gibt es zur Auflösung mit einem Kontostand von 0 keine Alternative; der Stand 0 kann jedoch auf mehreren Weisen erreicht werden: Das vorhandene Guthaben kann ausgegeben oder übertragen (verschenkt) werden (an eine Person, ein Projekt oder an einen Solidarfonds der Gemeinschaft). Ein größeres Habensaldo kann auch zum Erwerb von Anteilsscheinen genutzt werden, falls zu diesem Zeitpunkt in der Tauschgemeinschaft welche angeboten werden.

Kann man nur Mitglied in der Tauschgemeinschaft werden, wenn man einen PC besitzt?

Nein. Sie müssen keinen eigenen PC besitzen. Wichtig ist jedoch der Zugang zu einem PC mit Internetanschluss. Wenn Sie keinen PC besitzen, prüfen Sie die folgenden Möglichkeiten:

  • Fragen Sie in Ihrer regionalen Tauschgemeinschaft nach, ob es dort einen allgemein zugänglichen PC gibt.
  • Prüfen Sie, ob es in Ihrer Umgebung einen öffentlich zugänglichen PC gibt (z.B. im Internet-Café oder in der Bibliothek).
  • Vielleicht hilft Ihnen ein Tauschmitglied aus Ihrer Nachbarschaft. Die Tauschgemeinschaft hilft Ihnen sicher, ein entsprechendes Gesuch ins Internet zu setzen.
  • Wenn Ihr(e) Tauschpartner(in) einen PC besitzt, buchen Sie nach dem Tausch einfach direkt bei ihm oder ihr.

Wie werden Tauschgeschäfte steuerlich behandelt?

Steuerlich ist ein Tauschgeschäft genauso zu behandeln wie wenn es in Euro abgerechnet würde. Da die Kaufkraft des Realo sich unabhängig vom Euro entwickeln kann, werden im Konzept zwei Möglichkeiten zur Umrechnung von Realo in Euro beschrieben. Damit lässt sich die Höhe der zu bezahlenden Steuern korrekt berechnen.

Nachbarschaftshilfe ist im Gegensatz zu professionellen Leistungen normalerweise nicht zu versteuern. Für verbindliche Auskünfte hierzu wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an Ihr Finanzamt. Die Tauschgemeinschaft wird im Zweifelsfall dem Finanzamt Einblick in die Tauschkonten gewähren. Steuerhinterziehung wird nicht toleriert.

Habe ich bei Tauschgeschäften Garantie?

Tausch wird vom Gesetz gleich behandelt wie Kauf. Alle gesetzlichen Regelungen gelten beim Tauschen ganz genauso wie beim Kauf. Das betrifft unter anderem die Garantiezeit, das Ausstellen von Rechnungen, die Mehrwertsteuer, Widerrufsrecht, etc.

Kann ich erkennen, ob die Leistung von einem Profi erbracht wird?

Alle Tauschkonten sind als Privat- oder Geschäftskonten gekennzeichnet. Das liefert Ihnen einen Hinweis darauf, ob der Kontoinhaber als Privatmensch auftritt oder nicht. Die Qualität der erbrachten Leistung wird bei jeder Transaktion bewertet. So können Sie sich ein Bild machen, wie zufrieden die bisherigen Tauschpartner des Kontoinhabers waren.

Ich habe noch eine andere Frage ...

Schreiben Sie uns Ihre Frage.   Wir werden sie so schnell wie möglich beantworten.

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